6 Tipps um NEIN zu sagen und deinen inneren Frieden zu finden

Schon immer ist es mir schwer gefallen, einfach NEIN zu sagen, ohne Angst zu haben, dass jemand deswegen sauer auf mich ist. So eine Angst sitzt tief und so verleitete sie mich andauernd dazu, mein eigenes Wohlergehen unzählige Male hinten anzustellen. Die Angst, jemanden zu Enttäuschen, war letztlich nur verborgene Angst davor, zurückgewiesen zu werden.

Die Geschichte, die ich meinem verängstigten inneren Mädchen erzählte, lautete irgendwie, dass wenn andere Leute sich wegen mir besser fühlten, dann würden sie sehen, dass ich ein lieber Mensch bin und mich so akzeptieren würden, wie ich nun einmal war – oder das verschrobene Ding, das ich vorgab zu sein. Zu allem JA zu sagen beanspruchte so viel Lebenszeit, dass die Energie letztlich nicht mehr für die persönlich wirklich wichtigen Bereiche reichte. Ich fühlte mich abwechselnd wie ein Märtyrer, erschöpft und hatte ein schlechtes Gewissen. Noch dazu geisterte immer der Gedanke „Du hast dich nicht genügend eingebracht. Du hättest das noch machen können.“ durch meinen Kopf. Es war nie genug für mein Ego. Es musste sich was ändern.

Es begann mit einer tollen Unterhaltung mit einer Kundin, bis sie sich spontan dazu entschloss, mich zu umarmen. Ich hasse Umarmungen, auf die ich mich nicht zumindest ein bisschen vorbereiten kann. Sofort fühlte ich mich innerlich überfordert. Vorher hätte ich einfach stur ausgehalten, bis es vorbei war und mich eben unwohl gefühlt. Diesmal sagte ich: „Hör mal, das ist echt lieb, aber gerade ein bisschen viel für mich“. Das nennt man Grenzen und persönlichen Raum.

Du musst dich nicht für deinen Wunsch nach Grenzen entschuldigen. Das Recht darauf hast du einfach schon dadurch, dass du existierst.

Nun, Anerkennung ist eine Kernemotion die wir grundsätzlich brauchen. Es ist etwas ganz Fundamentales, was jeder von uns haben muss, um gesunde, stabile Beziehungen zu haben. Wir alle haben den Wunsch, dazu zu gehören. Unser Antrieb, uns mit anderen zu vernetzen, rührt aus der Trennung mit unserem Selbst her. Das Ego überzeugt uns davon, dass wir absolut allein sind und Liebe und Verbindung außerhalb von uns selbst suchen müssen. Sein Grundsatz ist „suche, aber finde nicht“, denn so sehr wir uns auf Bestätigung von Außen verlassen, so sehr vernachlässigen wir die Verbindung zu uns selbst und werden niemals endgültig die gesuchte Zufriedenheit erreichen.

Als ich versuchte, mein Sehnen nach Bestätigung zu unterdrücken, verursachte ich nur noch mehr Scham. Mein erster Schritt war also, anzuerkennen, dass ich nur von einer Person wirklich Anerkennung brauche – mir selbst. Und ich fühlte mich unglaublich erleichtert. Plötzlich konnte ich alle Energie, die ich vorher in andere Personen investiert hatte, auf mich selbst richten – und schaffte ich das nicht, dann betete ich um Hilfe, um die Dinge anders sehen zu können. Und der Gedankenblitz kam meistens sofort. Auch heute noch kämpfe ich ab und zu. Je mehr ich meine spirituelle Praxis mit Meditationen und Affirmationen schleifen lasse, umso schlimmer sind meine Selbstzweifel. Aber es gibt Engel, die holen einen immer wieder auf den rechten Pfad zurück. Denn im Zweifel um Hilfe zu fragen, das kostet tatsächlich nichts.

Zu allem und jedem JA zu sagen, verringert den Platz für die Menschen und Situationen, die in dein Leben treten sollen. Du bist damit beschäftigt, ihn aufzufüllen, wenn er sich von selbst füllen sollte. Solange dein NEIN aus einem verständnisvollen Mindset kommt, werden andere deine Sichtweise akzeptieren und sie nicht als persönliche Attacke werten.

Ein liebendes NEIN kann mehr Platz für Wunder und das, was das Schicksal für dich parat hat, schaffen.

Wie lässt sich das machen?

  1. Bestätigung von Anderen ist nicht zwingend notwendig, damit du dich selbst gut fühlst. Bis du gelernt hast, dich selbst zu akzeptieren, werden Leute immer deinen gestörten Selbstwert wahrnehmen. Wende dich für die nächsten 21 Tage nach innen und sei lieb zu dir selbst, dann wirst du bemerken, wie dein Selbstwert steigt. Und denk dran: Fortschritt ist besser als Perfektion (weil wir den negativen Druck von Perfektion nicht haben wollen. Punkt).
  2. Freu dich und sei ehrlich. Bedanke dich und sei freundlich, selbst in der unangenehmsten der unangenehmen Situationen, wenn du nein sagst. Halte deinen Kopf hoch und dein Herz offen.
  3. Starte mit kleinen Brötchen. Gleich zu Anfang deinem Chef ein dickes, fettes NEIN vor die Brust zu legen, wird dich nur mehr verunsichern. Fang klein an, mit leichten Situationen. Eigentlich ist es schwer, zu angebotenen Gummibärchen nein zu sagen, aber zu Übungszwecken tun die es allemal.
  4. Immer wieder: „Nein.“, ist ein ganzer Satz. Du musst dich nicht dafür rechtfertigen, gut zu dir selbst zu sein, denn das ist ein Muss. Das ist nicht egoistisch, sondern selbstlos, denn nur wenn du dir selbst die Energie gibst, kannst du anderen helfen. Wenn du dich leer fühlst, weil du auf Kosten deines Wohlergehens viel zu viel Verantwortung übernimmst, dann fängst du an, deine Ressourcen zu leeren und du solltest dich an deinen inneren Lehrer halten und um Führung bitten.
  5. Mach eine Liste mit fünf Dingen, zu denen du nein sagen willst. Kleine Schritte, regelmäßig geübt, sind der Weg zu lang anhaltenden Veränderungen. Gibt es einen Freund oder ein Familienmitglied, das dauernd aus deiner Zeit und Hilfsbereitschaft Kapital schlägt? Hast du das Gefühl, dass du dich so sehr anpassen musst, dass von dir selbst nicht mehr viel übrig ist, nur um dazu zu gehören? Sei ehrlich mit dir selbst, dann wirst du die Kraft finden, die du brauchst.

Bonus Tipp: Frag deinen inneren Führer, ob du einer bestimmten Person oder in einer bestimmten Situation helfen sollst. Die Gefühlsströmungen, die unserer zwischenmenschlichen Kommunikation zugrunde liegen, werden nicht mit dem logischen Verstand erkannt und erfasst. Wir kennen selten den wirklich korrekten Weg, einer anderen Person zu helfen, aber wir können uns auf unser Intuition verlassen, dass sie zumindest unseren Kontrollwahn herunterfährt und wir den Dingen Raum zur Entwicklung lassen können.

„If it’s not a hell yes, then it’s a no.“ – Alan Cohen

 

 

 

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2 Kommentare auf "6 Tipps um NEIN zu sagen und deinen inneren Frieden zu finden"

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svensbericht
Gast

Keine Grenzen setzen können, nein sagen können. Ja, das kenne ich nur zu gut aus meiner nassen Zeit. Zum Glück ist das vorbei, daß ich keine Grenzen mehr setze!

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