Atemtechniken für den Alltag

breathe

Hier im Allgäu gibt es eine pragmatische Redewendung auf die Frage: „Und was machen wir jetzt?“ – „Schnaufen, dass mer nicht versticken!“ („Atmen, damit wir nicht ersticken“ in Hochdeutsch.) Doch unser Atem ist so viel mehr als nur ein Hilfsmittel um unsere Zellen am Laufen zu halten! Wir können ihn verwenden um uns zu beruhigen, uns zu motivieren oder zu konzentrieren und unsere Gefühle zu beeinflussen. Die folgenden Atemtechniken lassen sich gut im Alltag anwenden und können je nach Belieben angewendet werden.

Nadi Sodhana, Wechselatmung 

Mein absoluter Pranayama-Favorit ist die Wechselatmung. Sie ist einfach anzuwenden und schon einige wenige Momente können absolute Ruhe und Balance in einen chaotischen Geist bringen. Traditionell wird die Wechselatmung im Halbsitz oder Lotussitz angewendet, die klassische Meditationspose also.

Es ist okay auf einen Stuhl zu sitzen, wenn es am Boden unbequem ist. Achte darauf, dass du dein Gewicht vor die Sitzhöcker im Po legst und deine Wirbelsäule lang machst, entspanne die Gesichtsmuskulatur und die Schultern.

Die Mudra (Handposition) erfolgt mit der rechten Hand. Falte deinen Zeige- und Mittelfinger nach unten, damit sie die Handfläche berühren. Mudras werden mit „Halbspannung“ in den Fingern durchgeführt. Das heißt, die Finger sind nicht ganz angespannt, aber auch nicht lasch.

Lege nun deinen Daumen der rechten Hand an die rechte Seite deiner Nase und halte das rechte Nasenloch sanft zu. Atme durch das linke Nasenloch ein und zähle dabei bis vier, sechs oder acht. Halte den Atem für vier, sechs oder acht Sekunden. Dann verwende deinen Ringfinger um das linke Nasenloch sanft zu schließen und nehme den Daumen vom rechten Nasenloch weg.

Das Ausatmen erfolgt nun durch die rechte Seite. Halte den Atem für vier, sechs oder acht Sekunden an. Atme nun wieder durch die rechte Seite ein. Halte den Atem in der Mitte, solange wie es angenehm ist (das soll keine Trockenübung für Apnoetauchen sein). Atme durch die linke Seite aus. Das ist ein Durchgang.

Zusammenfassung: Einatmen links, Ausatmen rechts, Einatmen rechts, Ausatmen links. Halte den Atem nach dem Ein- und Ausatmen, fühle die Spannung im Brustkorb. Mache fünf Durchgänge oder mehr, wie es dir gefällt. Du kannst diese Atemübung für bis zu fünf Minuten oder mehr durchführen. Wechselatmung besänftigt und klärt den Geist. Es ist eine großartige Technik für den Beginn oder das Ende einer Yoga Session.

Hummelatmung

Verwende deine Fingerspitzen, um sanft deine geschlossenen Augenlider zu bedecken. Mit den Daumen verschließt du die Ohren. Atme tief durch die Nase ein und während du ausatmest, machst du ein tiefes summendes Geräusch.

Mit den geschlossenen Augen und Ohren wird das Summen in deinem Kopf verstärkt und es hört sich an wie das Summen einer Hummel.

Wiederhole die Übung drei oder vier Mal. Während der Übung, versuche, deinen inneren Blick auf dein drittes Auge zu lenken. Das ist der Punkt zwischen deinen Augenbrauen.

Der Hummelatem eignet sich, um einen überforderten Geist zu beruhigen und neue kreative Ideen zu inspirieren. Versuch es doch mal, wenn du dich das nächste Mal überfordert oder uninspiriert fühlst.

Hundeatmung

Du solltest die Verbindung zu deinem inneren Kind suchen, wenn du diese Übung machst. Ansonsten zweifelst du zu sehr an deinem vernünftigen Verstand, ehrlich! Hab Spaß dabei!

Für den Hundeatem, hechle wie ein Hund – und zwar so richtig, am besten mit heraushängender Zunge (siehst du, du zweifelst schon)!  Zuerst durch den offenen Mund. Dann schließe den Mund und atme hechelnd durch die Nase.

Mach davon zwei Sets von je 30 Sekunden. Zwischen den Wechseln von Mund- zu Nasenatmung halte kurz Inne um tief ganz normal ein- und auszuatmen (sonst Kreislauf!). Diese Technik schleust Sauerstoff ins Gehirn und hilft dir aufzuwachen und dich präsenter zu fühlen.

Meeresatem

Meeresatmung ist unheimlich einfach anzuwenden und wirkt gleichzeitig beruhigend, aber kräftigend. Verwende dazu tiefe, langsame und aktive Atemzüge zum Einatmen und lasse den Atem natürlich entweichen ohne Druck dahinter zu legen. Besonders intensiv fühlt es sich bei geschlossenen Augen an. Dein Atem hört sich dann wie Wellen im Ozean an.

Einfach sitzen und konzentrieren

Schlichtes Aufpassen auf den Atem ist eine super Meditationsmethode. Während du bewusst durch die Nase einatmest, denke daran, dass dieses Wunder seit deiner Geburt bei dir ist und bei dir sein wird, bis du mit einem letzten Atemzug dein wunderbares Leben aushauchst.

Meine Lieblinge sind der Meeresatem und die Hummelatmung! Von der wurde mir beim ersten Mal ausprobieren ein bisschen übel, weil das ein ganz ungewohntes Gefühl war. Da habe ich mich aber gut dran gewöhnt – mittlerweile brumme ich sogar in der Mittagspause wie eine wilde Hummel! 🙂 Und die Werkstattkollegen sind auch schon ganz glücklich damit!

Wer kennt sonst noch gute Atemtechniken, die sich in den Alltag einbauen lassen? Inspiriert mich, bitte? Welche Atemtechnik ist euer Favorit?

Schreibt und teilt, damit ganz viele was davon haben, ja?

xoxo

Luisa

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3 Kommentare auf "Atemtechniken für den Alltag"

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nomind123
Gast

Ich kann Dir Oshos „orangenes Buch“ empfehlen, da sind zahlreiche Techniken, unter anderem auch einige Atemtechniken aufgeführt. Ein großartiges Buch. 🙂

Kruemelkeks
Gast

Ja, ja ich versuche mich ja schon daran…. Hundeatmung ist cool – mein Wuffel fand es auch cool, als ich neben ihm gehechelt habe.

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