Bücherliebe: Darm mit Charme

„Der Rülpser ist ein Magenwind, der den Weg zum Arsch nicht find‘!“ Ich glaube ich hatte schon einmal geschwärmt, wie unglaublich pragmatisch wir Allgäuer in unseren Redewendungen sind. Sie sind direkt (und meistens erst mal unsympathisch), aber so sehr wahr! Passend zur Redewendung (oder anders herum) geht es heute um ein unterschätztes und eigentlich ungeliebtes Organ: den Darm. Und das unglaublich lustige und großartige Buch, nur für den Darm, damit wir lernen ihn wert zu schätzen: Darm mit Charme!

Jep, klar, hier ein Tröööt, da ein Pfffrrrrt – wirklich Freunde macht sich unser Darm nicht, wenn er sich außerhalb der vier Wände des heimischen Bauchraumes bemerkbar macht. Egal was wir behaupten: Rosenduft und Elfenstaub kommen am anderen Ende des Rumpfes eher selten raus. Unser Darm ist unbeliebt, zumindest, wenn er sich laut, riechend und/oder schmerzhaft zu Wort meldet. Den Rest der Zeit (also eigentlich fast immer), verrichtet er brav seine Arbeit ohne zu tröten oder sonstwie zu meckern und wir bemerken ihn gar nicht. Dabei übernimmt er so viele Funktionen: Verdauung, zu Hause für das Immunsystem, Nährstoffaufnahme und -Weitergabe, Konkurrenz für das Gehirn und so weiter.

Genau darum geht es in Darm mit Charme. Wie ist der Darm aufgebaut, wie ist er mit dem Rest unseres Systems verbunden? Was benötigt er, um gut zu funktionieren? Was sind die Anzeichen, wenn es ihm nicht so gut geht (und das sind sehr viele)?

Giulia Enders ist ein Schatz. Ich habe noch selten ein Buch in die Hand genommen, das mich gleichzeitig so aufgeklärt, informiert und dabei doch wahnsinnig zum Lachen gebracht hat. Über den Darm zu sprechen ist nicht gerade en vogue und alles was mit ihm zu tun hat, bleibt lieber im stillen Kämmerlein, bis es vielleicht mal schmerzbedingt nicht mehr geht. Enders aber schafft es mit ganz viel trockenem Humor und Sarkasmus den Darm zum Freund zu machen und und die Barrikaden aus Scham und Verlegenheit nieder zu reißen.

Hier ein Zitat von Seite 17:

Japanische Forscher haben deshalb Probanden leuchtende Substanzen gefüttert und beim großen Geschäft in verschiedenen Positionen geröntgt. Ergebnis eins: Es stimmt – in der Hocke wird der Darmkanal schön gerade, und alles kann schnurstracks raus. Ergebnis zwei: Freundliche Menschen lassen sich für die Forschung mit leuchtenden Substanzen füttern und beim Kacken röntgen. Beides ziemlich eindrucksvoll, finde ich.

Solcher Humor ist Geschmackssache, aber er trifft mich volle Breitseite und sorgt dafür, dass mir die Tränen über das Gesicht laufen.

Der Darm ist unheimlich wichtig. Das wusste ich zwar vorher schon, aber so richtig um ihn gekümmert habe ich mich noch nie. Probiotische Bakterien noch extra? Neee, lass mal. Dafür habe ich regelmäßig  Antibiotika verweigert, wenn es sich irgendwie machen ließ. Schließlich sorgen die auch dafür, dass die Darmflora vernichtet wird. Sehr undankbar auch die Erfahrung mit wenig Magensäure, weil Magenschleimhautentzündung und deswegen Säurehemmer. Ich glaube, mein Darm hat mich während dieser zwei Tage (danach habe ich die Tabletten verweigert und mit Globuli weiter gemacht, die mir besser geholfen haben, als die Tabletten) richtig verabscheut.

Was hat mir dieses Buch also gebracht?

Viel. Ich beginne tatsächlich, meine Ernährung umzustellen und ein bisschen mehr darauf zu achten, was ich da oben hinter den Gaumen kippe. Statt Salamisemmel gibt es jetzt Hirsebrei in der Früh. Der hat viele Mineralien und Vitamine und warm bereitet er den Magen schon mal auf den anstrengenden Tag vor. Außerdem ein Haufen Ballaststoffe, die richtig die Bewegung im Darm anregen. Dafür muss ich zwar 10 Minuten früher aufstehen (eigentlich ein Todesurteil), aber das ist es mir wert. Wenn ich es jetzt noch schaffe, zum essen tatsächlich hin zu sitzen, statt das auf dem Weg in mich rein zu stopfen, hat das richtig Zukunft. 🙂 Zudem habe ich meinen Kaffeekonsum deutlich eingeschränkt und ersetze den jetzt mit Tee. Ist irgendwie genauso gut und lässt hoffen, dass sich die Episode der Magenschleimhautentzündung (zu viel Kaffee…) nicht noch einmal wiederholt.

Leute, ich werde noch richtig gesund. Wer hätte das gedacht? Mittlerweile verweigere ich sogar den Big Mac am Samstag und futtere lieber Gras (Salat). Nicht mal die Kippe am Vormittag schmeckt noch. Stell sich einer vor, ich werde noch Nichtraucher! WTF?

Und alles, weil ein Buch mich deutlich zum Nachdenken gebracht hat.

Kennt ihr Darm mit Charme? Was haltet ihr davon? Wer betreibt noch aktive Darmpflege? 🙂

xoxo

Luisa

Hinterlasse einen Kommentar

10 Kommentare auf "Bücherliebe: Darm mit Charme"

Kommentar verfassen

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
MeineGedankentastatur
Gast

Ich habe das Buch auch gelesen (allerdings erst 3/4, ich sollte wieder fortfahren…) und bin genauso angetan wie du. Humorvoll und informativ.

Und der Darm ist tatsächlich ein unterschätztes Organ. Wer beschäftigt sich schon gerne mit diesem Thema…
…also ich tu es mittlerweile 🙂

Anny Page
Gast

Ah mir geht es genauso…. angefangen und toll gefunden und dann sich leider ablenken lassen🙈

Freigeist (@MyFreeMindBlog)
Gast

Gutes Buch. Die Darmgesundheit hat auch so einen großen Einfluss auf die Psyche!

stephanie
Gast

Hahahahaaaaa…der erste Satz! Ich kann nicht mehr:):):)!!!

trackback

[…] Warum? Shuyao. Darum. Und natürlich aktive Systempflege. […]

wpDiscuz