Dayenu – Es ist genug

Dayenu

Gestern früh wachte ich nach einer beschissenen Nacht auf und mein Blut kochte immer noch. Mein Herz war ein Ball aus Flammen und ich hatte richtig die Schnauze voll. Warum? Weil ich am Samstag wieder einmal zugehört habe, wie sich jemand aus falscher Bescheidenheit oder anerzogener Dummheit selbst schlecht gemacht hat. Was totaler Schwachsinn ist und es reicht! Ich habe viel nachgedacht, ob ich das wirklich veröffentlichen soll, denn eigentlich bin ich niemand, der im übertragenen Sinne Watschen verteilt, in der Hoffnung, damit etwas zu verändern. Jeder muss letztlich selbst entscheiden wie er lebt. ABER!

Dayenu!

Das ist hebräisch und bedeutet genug. Genug ist genug. Es ist Zeit, dass wir damit aufhören unsere Herzen zu versklaven und anfangen zuzuhören und entsprechend zu handeln.

Ich möchte dazu inspirieren und motivieren Veränderung mutig entgegen zu sehen und das Leben bei den Eiern zu packen. Weil es funktioniert. Und deswegen kommt das hier von ganz unten, aus meinem brennenden Herzen.

Weißt du was dafür sorgt, dass sich mein Herz schmerzhaft zusammen zieht?

Anderen dabei zuzuhören, wie sie behaupten sie seien „okay“ während sie ignorieren was ihr Herz ihnen sagt, sie anschreit, weil sie Angst haben vor dem was sein könnte. Und sie haben noch viel mehr Angst davor, aus der Komfortzone auszubrechen, die ihnen tagein und tagaus so viel Schmerz bereitet, aber scheinbar immer noch angenehmer ist, als die Angst vor einem echten Versuch etwas zu verändern!

Das letzte Mal, dass ich richtig verärgert war (um nicht zu sagen bis zum Zähneknirschen angepisst) ist schon einige Zeit her, aber es machte mich diesmal richtig sauer, wieder einmal jemanden zu hören, der mit sich selbst haderte, Wünsche aussprach, nur um sofort eine Entschuldigung zu finden, sie nicht real werden zu lassen.

Aber von Anfang an:

Ich saß nach einer Stunde anstrengendem Bogenschießen auf dem Sitzbänkchen vor der Schießhalle, gemütlich einen Becher Kaffee in der Hand, neben mir ein Schützenkollege, der zwar zurückhaltend ist, aber dennoch ein liebenswerter, starker, unkomplizierter und genügsamer Bär von einem Kerl. Wir sprachen über den Alltag, den Beruf, Beziehungen und Zufriedenheit. Und er verwandelte sich innerhalb von Minuten in eine Pfütze aus Selbstmitleid und Schwäche, als er begann Entschuldigungen dafür zu finden, weshalb er unglücklich, unverstanden, unbeachtet und gefangen bleiben sollte, in einem Leben und mit einer Partnerin das/die in keinster Weise mehr sein Herz erfüllen und offenbar auch kein Interesse mehr daran haben das in irgendeiner Form zu tun. [hässliches Zähneknirschen bitte hier einfügen]

Als ich also heute morgen aufgewacht bin, habe ich beschlossen, dass ich wieder lange genug die Klappe gehalten habe und das jetzt raus muss–

Ich habe vielen Leuten dabei zugehört, wie sie Entschuldigungen dafür finden und kleinreden warum sie in einem Leben bleiben, dass ihr Herz und ihren Geist unterdrückt und auf ihrem Selbstwert herumtrampelt.

Ich weiß wie das ist. Ich habe es selbst gemacht: bis zuletzt verteidigt weshalb ich in einer Umwelt bleibe, die mich langsam vergiftet, oder mit jemandem zusammen bleibe, der meiner Seele und meinem Herzen fremd geworden ist.

Es gibt auf der Welt nicht genügend Worte oder Motivation oder Unterstützung, die mich da raus gezogen hätten. Nichts würde sich verändern, bis ich wirklich bereit dazu war und dann, eines Tages, kam der Moment und es war unerträglich— mein Herz, mein Körper, mein Geist ächzten wegen dem Schmerz und ich hielt es einfach nicht mehr aus. Es gab nichts mehr, außer meiner eigenen Misere, meinem Schmerz. Die Ablenkungen die ich geschaffen hatte reichten nicht mehr aus. Und es war unterirdisch beschissen, meine ganz persönliche, selbst geschaffene Hölle, gegen die Dantes Inferno ein Kindermärchen ist. Und das zwang mich in die Knie, im Wohnzimmer meiner Eltern, wo ich weinend und heulend am Boden saß, bis der Druck zu groß wurde und ich Nasenbluten bekam und ich Mutters teuren beigen Flauscheteppich versaute, wo die zurück gebliebenen Flecken mich heute noch daran erinnern.

Und das war mein Segen, denn es zwang mich umzudenken. Und ich erzähle es euch hier, weil es reicht, wenn einer von uns damit durch ist.

Wir werden alle sterben. Punkt. Der Übergang von unserem begrenzten Dasein in die unendliche Weite des Seins ist nichts, dem man aus dem Weg gehen könnte. „Oh, warte, ich bin noch nicht so weit, muss mal eben noch, ich kann doch jetzt nicht….“, hat am Totenbett noch selten etwas gebracht. Und auch wenn dieses kurze Dasein, welches uns gewährt wird, vielleicht nur ein Mückenschiss im Universum ist, so steht es uns doch zu, dass eben dieser Mückenschiss so abläuft, dass es uns gut geht! Reinkarnation? Ja, bitte! Aber das bedeutet nicht, dass ich von zehn Leben neun in beschissenen Verhältnissen abstottern muss, wenn ich in irgendeiner Art und Weise etwas verändern kann.

Also, für welches Leben entscheidest du dich? Selbst wenn Vater Tod dir schon an den Nacken atmet, hast du immer noch die Wahl dich in einem Pferch von Leben ersticken zu lassen, was dich letztendlich von innen nach außen kaputt machen wird – oder du kannst raus aus der Komfortzone und dafür aber frei von deiner langsamen Selbstzerstörung sein.

Wenn du auf den richtigen Tag wartest, auf die richtige Zeit, auf den richtigen Geldbetrag auf deinem Konto, das richtige Alter deiner Kinder, den richtigen Moment…. Das wird niemals kommen. Du wirst machen müssen, immer in dem Wissen, dass du nicht zurück kannst.

Vertrauen.

Unsere Welt braucht uns jetzt. Alle. Wir werden gerufen unsere Stärken anzunehmen und unseren Teil beizutragen indem wir unsere Arbeit tun.

Denk immer daran, wir sind alle verbunden und wir sitzen alle im gleichen Boot. Jeder einzelne Moment den du eingerollt als ein Ball aus Angst verbringst, lässt unsere Welt ein kleines bisschen mehr zersplittern, weil dein Herz bricht, bettelt, von dir gehört zu werden. Hör zu und dann tu etwas.

Sei tapfer. Rette dich selbst und damit auch die Welt. Du bist nicht allein.

Edit:

Ich habe über Nacht einige Mails zu diesem Post erhalten. Mit Lob, mit Kritik und vor allem vielen Fragen.

Bitte seid euch sicher, dass ich nicht mit erhobenem Zeigefinger auf euch zeigen will, um euch zu belehren. Nein, ganz und gar nicht. Mir ging es vor allem darum, das heraus zu lassen, was in meinem eigenen Herzen ist und das ist viel Liebe, gemischt mit Verzweiflung und Haare raufen. Die Kämpfe, die wir fechten um uns „anzupassen“ sind zum größten Teil so unnötig. Das macht mich traurig, weil ich weiß, wie sich der Kampf anfühlt und weil ich aber auch weiß, wie angenehm es ist, sich zurück zu lehnen und aus dem Zirkus auszusteigen, ohne das ich ein Leben als Einsiedler auf einer einsamen Insel führe.

Hätte ich diesen Post nicht veröffentlicht, hätte ich genau das gemacht, was ich sonst anprangere: ich hätte nicht auf mein Herz gehört. Das wäre nicht akzeptabel. Aber bitte fühlt euch nicht persönlich angegriffen oder verurteilt. Denkt ein bisschen drüber nach und hört auf euer Herz, was es euch sagt, ja?

Und bitte schreibt mir weiter! Nur mit ehrlichen Worten kann etwas verändert werden und es fängt im Kleinen an. =)

xoxo

Luisa

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6 Kommentare auf "Dayenu – Es ist genug"

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Beat Company
Gast

אמת מאוד

moteens
Gast

Du hast völlig Recht! Jeder sollte seine eigenen Wünsche und Träume erfüllen und dabei sich nicht von anderen reinreden lassen. Wenn jemand dich von deinen Träumen abbringen möchte, dann ist er wahrscheinlich auch nicht richtig in deinem Leben…
LG https://moteens.wordpress.com/

hazelshire
Gast

Sehr schöner Post. Es ist immer wieder erstaunlich, was für eine enorme Leidensfähigkeit der Mensch hat. Mich eingeschlossen. Ich kann nur jedem wünschen den Mut zur Veränderung zu finden, wenn man unglücklich ist. Denn schlimmer kann es meist ohnehin nicht werden.

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