Dein Freund die Anspannung

 

Bauchgepolter. Hirnrauschen. Das verkackte Gefühl, dass du gerade etwas tun solltest aber du bist nicht sicher was das sein soll, aber es sollte etwas sein damit du weißt: du hast alles unter Kontrolle. Anspannung. Manchmal verzieht sie sich nach ein paar tiefen Atemzügen, manchmal muss man sie scheinbar mit einem Stock wegprügeln oder mit kleinen weißen Pillen.

Natürlich wollen wir von der Anspannung so weit weg wie nur möglich – was in aller Regel nur dazu führt, dass wir wegen der Anspannung angespannt sind. You resist and so it persists.

Wie wäre es, wenn wir die Anspannung willkommen heißen, sobald sie auftaucht, statt zu versuchen sie loszuwerden?

Was wäre, wenn wir uns nicht darauf konzentrieren, wie schlecht sich die Anspannung anfühlt, sondern darauf, was sie uns sagen will. Denn Anspannung ist nichts anderes, als die Psyche, die anklopft und sagt „Klopf, klopf. Hi, ich hab dir hier was über die selbst zu zeigen, das du wirklich sehen solltest.“

Der dänische Philosoph Soren Kierkegaard hat einmal gesagt, Anspannung sei eine natürliche Sache. Er glaubte, Anspannung sei „eine kognitive Emotion, die Wahrheit ans Licht bringt, die wir lieber verstecken würden, die wir aber für unsere höhere Gesundheit benötigen.“ Und dass sie ein gutes Werkzeug ist, um unser bestes Leben zu kreieren. Denke daran: hinter den Schmetterlingen (oder Ameisen) im Bauch und den Wolken im Kopf steckt die höhere Wahrheit, die versucht zu dir durchzudringen.

Anspannung in Macht verwandeln

Schritt 1: Sei ehrlich. „Ich bin angespannt.“

Bemerke sie einfach, die Anspannung. Werde dir darüber bewusst, wie sich Anspannung bei dir äußert. Die Symptome können bei jedem anders aussehen. Bei mir manifestiert sie sich zuerst in allgemeinem Unbehagen, so als müsste ich zum Zahnarzt. Das steigert sich beinahe in Paranoia, während dessen ich mir sicher bin, dass jetzt dann gleich etwas schlimmes passiert, und dieses Gefühl ist gleichzeitig mit totaler gedanklicher Lähmung verbunden.

Dem Gefühl einen Namen zu geben, gibt Kontrolle zurück. „Ich bin angespannt.“ Da. Du hast es gesagt. Vielleicht fühlst du dich schon besser. Ehrlichkeit ist immer der beste erste Schritt.

Schritt 2: Nachfragen. „Also, warum bin ich angespannt?“

Das ist der Schritt an dem die ganze Arbeit hängt. Man braucht dazu Konzentration und Mitgefühl für sich selbst…. eine ziemlich schwierige Kombination. Von einer Freundin habe ich gelernt, Problemen eine Gestalt zu geben, indem ich mir vorstelle, wie sie wie Schichten aus Sediment in mir liegen. Jede Frage die ich stelle, bohrt ein Loch durch diese Schicht und bringt mich weiter. „Also, warum bin ich angespannt?“ – „Weil ich nicht zu spät sein will.“ Nah, das stimmt noch nicht ganz. „Weil ich so viel zu tun habe und mir das Treffen Zeit stiehlt.“ Das ergibt keinen Sinn, ich mag gerne viel zu tun haben. „Weil ich Angst habe, dass ich abgelehnt werde, sobald ich auftauche.“ There you go. Bingo.

Wenn du auf den wahren Grund der Anspanung kommst (oder die Gründe, weiß der Herr, oft genug gibt es mehrere Auslöser), dann gibt es in aller Regel eine Art inneres Aufatmen und überwältigende Erleichterung. Du weißt genau, wann du den Nagel auf den Kopf getroffen hat.

Und jetzt geht es darum, drüber zu stehen.

Schritt 3: Übernimm Verwantwortung

Das ist der Punkt, an dem die richtige Macht ins Spiel kommt. Das, was Spaß macht und dich zum Meister deines eigenen Territoriums werden lässt. Wenn du erkannt hast, warum du dich Angespannt fühlst, dann musst du dagegenhalten: mit Courage und Optimismus. So einfach – und so schwierig.

Wie auch immer du es nennen magst, positiv Denken, re-framing, Selbstmotivation, ra-rah-ra, das ist der Moment in dem du deiner Angst ins Auge blickst und ihr den Stinkefinger deiner Wahrheit zeigst. Der schlichten Wahrheit, dass du jeden Tag überstehst, egal ob stolpernd oder tänzelnd, dass die Angst dich nicht umbringen wird, dass dein Gott, deine Freunde, deine Oma im Himmel dir den Rücken freihalten, dass du schon oft hingefallen, aber immer wieder aufgestanden bist. Dass es letztlich einfach nur Leben ist.

Anspannung kommt nicht mit der passenden Lösung. Sie ist nur dazu da, deine Aufmerksamkeit auf das eigentliche Problem zu lenken. Wie Kopfschmerzen die anzeigen, dass du zu wenig getrunken hast. Die Kopfschmerzen erinnern dich dran, dass dein Körper Zuwendung braucht und dann liegt es immer noch an dir selbst etwas zu trinken. Selbstliebe ist heilige Verantwortung. Sich mit der Anspannung anzufreunden bedeutet, dich mit deiner größten Stärke zu verbinden. Das verändert Hirnrauschen zu Brillanz, und das Knie zittern in Antriebsstoff um heller zu strahlen als jemals zuvor.

Shine on, crazy sexy diamond.

 

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6 Kommentare auf "Dein Freund die Anspannung"

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jackyswelt
Gast

Toller Beitrag! Genau das mit dem akzeptieren der Anspannung musste ich auch erst lernen! 😀

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