Fick dich, emotionales Tief!

Den regulären Post von heute habe ich Mitte letzer Woche verfasst. Nie hätte ich gedacht, dass ich ihn so schnell selbst brauche. Ironie des Schicksals ist das wohl. Ich musste fast ein bisschen lachen.

Ich fühle mich nicht gut. Müde bin ich, verschlafe jeden Tag, auch wenn es nur um die 10 Minuten sind. Das bringt schon mal alles durcheinander. Ihr wisst ja, ich bin getaktet. Scheinbar schlafe ich schlecht, auch wenn ich durchschlafe. Beim Aufstehen fühle ich mich wie durch den Fleischwolf gedreht und es wird in den ersten Stunden des Tages auch nicht besser. Richtig wach bin ich eigentlich erst Abends um sechs. Mein Hirn läuft nur auf halber Leistung und mein Nervenkostüm schleift irgendwo ganz weit hinter mir her. Ich bin genervt, vor allem von meinem Bruder, dessen künstlich übertriebene fröhliche (dumme) Art meinem Gefühl nach nur einen Knebel verdient hätte, alle anderen aber dazu bringt, ihn anzubeten.

Sehstörungen, Kopfschmerzen und Müdigkeit raspeln ganz schön an der Geduld und dazu tut mir jeder Muskel weh. Die Schultern sind hart verspannt und viel zu weit hochgezogen. Schade, dass ich es nicht schaffe sie unten zu halten. Als wären sie an zwei Fäden nach oben gebunden. Dazu macht mir ein alter Muskelriss in der Wade wieder zu schaffen, was jeden Schritt schmerzhaft und instabil werden lässt.

Ja, das anhaltend heiße Wetter tut seines und die monatlich durchdrehenden Hormone ihres und überhaupt ist das ja nur Jammern auf hohem Niveau. Mag schon sein, aber das wäre zum größten Teil eine billige Ausrede.

Tatsache ist: ich habe Angst. Riesen Angst, weil ich überfordert und so weit ab von meiner Komfortzone bin, dass ich kein Land mehr sehe. Mein Kopf und mein Bauch liegen miteinander im Krieg und keiner von beiden sendet klare Signale, was mich unglaublich verwirrt. Zudem bin ich emotional so involviert, dass ich es nicht einmal mehr schaffe, objektiv auf die Dinge zu blicken. Ich bin verbissen. Das ist der richtige Ausdruck.

Es brennt. Eigentlich habe ich keine Zeit mehr, um nachzudenken und abzuwarten. Aber wenigstens da sagt mein Bauch klar, dass ich ausharren soll, auch wenn das Ego die Angst noch ein bisschen mehr damit anfeuert. Aber es wird seinen Grund haben, warum wir gerade jetzt an diesem Punkt sind: ein Test meines Vertrauens, etwas, das es zu lernen gilt. Duh, vertrauen vermutlich, damit meine Großbaustelle ein Ende findet. Immerhin habe ich zwei Jahre lang versucht, das was jetzt passiert abzuwenden und diese Bemühungen waren aus den verschiedensten Gründen vergebens.

Und bis das wie und warum klar ist?

„Ehrlichkeit“, sagt da der Bauch. „Ruhe und Gelassenheit. Verständnis.“

Derweil rotiert der Verstand weiter. Weil er nicht begreifen mag, dass selbst rohe Gewalt nichts am Lauf der Dinge ändern kann, wenn man nicht in Ballbesitz ist. Weil es im Grunde genau das ist: ICH muss, ich MUSS, ICH MUSS!

Eine bedeutungslose Welt erzeugt Angst, weil ich denke, dass ich mit Gott in Konkurrenz stehe.

– Ein Kurs in Wundern, Übungsbuch, Lektion 13

Orakeln mit „Ein Kurs in Wundern“ funktioniert allererste Sahne. Einfach aufgeschlagen: BÄM, Antwort!

Ob man es Gott, das Gefüge des Universums, das Schicksalsrad oder Ursache und Wirkung nennt, die Bedeutung bleibt immer die Gleiche: Dinge geschehen eben, selbst wenn man versucht hat sie zu ändern. Man kann hoffen, sie in positiver Weise zu beeinflussen, ansonsten aber sollte man dafür sorgen, dass man weich landet. Verbissene übertriebene Willenskraft ist nur verschwendete Energie und sorgt für Depression.

Mein Plan sieht vor, heute ganz bewusst aus dem Hamsterrad auszusteigen, das vor einer Woche angefangen hat sich zu drehen und in dem ich immer schneller gelaufen bin. Da auf die Nase fallen?

No, thank you!

Vorhin habe ich mir einen Eimer Erdbeeren und noch einen mit Pfirsichen organisiert, nachdem ich einen beschissenen Termin beim Steuerberater durchgestanden habe. Jetzt setze ich mich gleich raus, mitten auf den Spielplatz, der meiner Wohnung gegenüber liegt und stopfe genüsslich immer abwechselnd eine Erdbeere und einen Pfirsich in mich rein und spucke die Kerne so weit wie möglich. Ich wohne auf einem kleinen Hügel, mitten in der Stadt. Wenn man sich auf dem Spielplatz an die Kante dieses Hügels setzt und es schafft, den Kern so zu spucken, dass er nicht auf dem eigenen Schoß landet (meh), dann sieht es aus, als wären die sie  Asteroiden, die auf die Stadt fallen. Vielleicht kann ich noch jemanden dazu überreden mitzukommen, damit er passende Explosionsgeräusche macht. Das ist wunderbar abgedreht und kitschig und schön.

Noch schöner ist, von euch zu hören. Also, haut raus, ja?

xoxo

Luisa

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14 Kommentare auf "Fick dich, emotionales Tief!"

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Glück der kleinen Dinge
Gast

Also ich habe gerade 4 Mangos gekauft. Lass uns doch aus Mangos, Erdbeeren und Pfirsichen einen Obstsalat machen, schaukeln und rutschen gehen, Sonne tanken und die Sorgen für einen Moment den Anderen überlassen!

moteens
Gast

Dein „Schlafproblem“ kenne ich. Selbst, wenn ich bis mittags/nachmittags schlafe, bin ich nicht ausgeschlafen. Nach dem Aufstehen brauche ich immer mindestens eine Stunde, bis man mich ansprechen kann…
Liebe Grüße
https://moteens.wordpress.com/

stephanie
Gast

Den Titel muss ich mir merken! Für den Eigengebrauch:)!!!

Franzi.liebt.das.Leben
Gast
Diese doofen Löcher, die sich zu richtigen Schluchten entwickeln können, aus denen man vermeintlich nie, nie, nie wieder rauskommt und erst recht nicht wenn einem jemand Hilfe anbietet, eine Leiter rausholt oder Ähnliches, weil man die Leiter dann einfach mit in die Schliucht zieht…..ja die sind ätzend. Trotzdem schaffen wir alle es irgendwie uns immer wieder herauszuhangeln und du bestimmt auch mit deiner positiven Art (so sprüht sie zumindest immer wieder durch deine Texte) :-). Und ich wünsche dir ganz viel Kraft, dass du den Ausstieg aus dem Hamsterrad schaffst und dann machst du eine riesige Obstparty auf dem Spielplatz… Read more »
Glück der kleinen Dinge
Gast

Obstparty!!!!!!! Yeah!!!!!!!!

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