Geschichten aus KE: Messerattacken und eine Leiche

 

 

Gestern Nacht kam der Mann nach der Spätschicht nach Hause und verkündete aufgeregt: „Im Forum hat ein Fascho einen Türken mit dem Messer abgestochen!“

 

Well, well, well, DAS ist mal eine Meldung. Seit dem drogenhortenden Kriminaloberkommissar, der nur aufgeflogen ist, weil er seine Frau verprügelt hat, hatten wir ja auch schon länger nichts Sensationelles mehr (ja, das waren wir…).

Als ich heute morgen zur Bank gefahren bin, habe ich da aber trotzdem nicht dran gedacht.

Die Bank ist genau neben dem Einkaufszentrum, das offiziell „Forum Allgäu“ heißt, bei uns aber einfach nur „s’Forum“ ist. Die Bank hat scheiss Parkplätze und ich bekomme regelmäßig einen Strafzettel, weil Smarts halt nun mal überall parken können und auch mal quer, statt längs irgendwo unter eine Baggerschaufel, oder so, passen. *hust* Irgendwann wurde das echt teuer und so bin ich auf das Arschlochparkhaus vom Forum ausgewichen.

Das Forum hat diese ätzenden spiralförmig angelegten Auffahrten für vier Stockwerke Tiefgarage, bei denen mir regelmäßig schlecht wird und in denen man es aber mit einem kleinen Smart richtig knacken lassen kann. Spätestens, als ich heute ganz oben um die Ecke geschossen kam und fast das Polizeiauto auf den nächsten Parkplatz geschoben hatte, hätte mir wohl auffallen sollen, dass was schief läuft. Polizeiautos stehen nicht in Tiefgaragen in Einkaufszentren rum, um auf wilde Elefantenrollschuhe zu warten, nein, nein.

Also asap zu den Ladenstraßen und vorne zur Drehtür raus, rennt mir mitten auf dem Platz vor dem Forum einer vor die Beine und beginnt mit einem Mikrophon vor meiner Nase zu fuchteln. Was ich zu den Vorfällen (jetzt sind wir schon beim Plural?) sagen würde? „Gar nix!“, wollte ich erst schnappen, hab es mir aber doch noch anders überlegt. Also sagte ich:

„Lasst uns nicht darüber reden, was gestern passiert ist. Das Kind liegt schon im Brunnen. Lasst uns lieber drüber sprechen, was wir tun können, dass sowas in Zukunft nicht mehr passiert.“

Das war nicht das, was der Herr vom BR da hören wollte. Bedauern wollte er, Entsetzen und Fassunglosigkeit.

Dumm für ihn, wenn man eine Livesendung macht. Bedauern, Entsetzen und Dramaqueen sind bei mir nicht im Angebot.

Es gibt erstaunlich viele, die noch den Bayrischen Rundfunk hören. Ich dachte ja, der sei schon tot. Aber seitdem klingelt mein Handy und sogar Elterns Nachbarn waren schon hier und haben mir auf die Schulter geklopft.

Ich bin fasziniert.

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Oh, und bevor ich es vergesse. Die Buschtrommel sagt, das Opfer sei türkischer Herkunft. Die Nachrichten halten sich bei uns da sehr bedeckt. Fest steht, dass der Angreifer tatsächlich schon eine Leiche zu Hause hatte. Fancy Festtagsdeko. Hier ist der Artikel, den es heute im lokalen Onlineblättle gegeben hat. Kranke Welt.

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5 Kommentare auf "Geschichten aus KE: Messerattacken und eine Leiche"

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Glück der kleinen Dinge
Gast

„Kranke Welt“ trifft es leider!

moteens
Gast

Toll von Dir, dass Du ehrlich aussprichst was Du denkt und nicht etwa das sagst, was erwartet wird. Und natürlich wünsche ich Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr!

nickel
Gast

Was zum…aber….WAAAAS?
Hatte den Teil mit der schon vorhandenen Leiche ja für eine Redewendung gehalten…bis ich den Artikel las.
Meine Güte, my dear mistersinging club und sowas. Holy cow, das auch.

Ist in KE irgendwas im Wasser?

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