Let’s try nationalism – What could possibly go wrong?

Aus aktuellem Anlass denke ich im Moment viel über Politik nach. Als letztes Jahr klar war, dass Trump tatsächlich Präsident der USA werden würde, da sagte ich „So schlimm kann das nicht werden. Es muss auch dort vernünftige Leute geben, die ihn aufhalten oder zumindest bremsen.“

Fast Forward eine Woche Trump: Es kann so schlimm und es ist so schlimm, wie alle angenommen haben. Noch selten war ich so entsetzt und geschockt über eine Person.

Dennoch gibt es einen Gedanken, der mich einfach nicht los lässt: Er wäre nicht an der Macht, wenn nicht viele Leute ihn gewählt hätten, electoral college hin oder her. Und eines kann man ihm nicht vorwerfen: Dass er seine Wahlversprechen nicht einhält. Also war das von seiner Seite nicht nur heiße Luft (was an und für sich nicht schlecht ist) und das bedeutet, es gibt tatsächlich Menschen, die möchten eine Mauer zu Mexiko, die möchten, dass Muslime nicht mehr einreisen dürfen, die möchten, dass ihre Sozialversicherung abgeschossen wird.

Die Leute möchten das!

Und angesichts einer in Frankreich sehr beliebten Front National, einer AfD, die in der Sonntagsfrage regelmäßig sehr stabil 11 % Prozent Zuspruch bekommt, einer niederländischen PVV die 2015 an Zuspruch zugelegt hat, einer zweiten sehr knappen Wahl in Österreich, bei der der rechtspopulistische Kandidat Haider beinahe gewann, Ungarn mit Orban, Italiens Norden ist rechtsradikales Urgestein und Polens Regierung bekennt sich ganz offen zu rechts.

Wenn ich letztes Jahr (dieses Jahr gibt es noch nicht so viele Artikel wo es passt, weil alle auf Trump hacken) auf Facebook in die Kommentarspalten bei Welt und Co geschaut habe, dann wurde mir ganz anders, ob der Hetze, des Hasses und, ja, auch der Dummheit, die da teilweise verbreitet wurde. Diese Unreflektiertheit, dieses Herdenverhalten, dieses Nachplappern, ohne Fakten zu kennen oder zu prüfen, die Eigenverantwortung einfach mal abgegeben an – wen eigentlich?

Ja was zur Hölle?!

Gibt es seit 2015 irgendwo eine Ketten-WhatsApp „Rechts ist in?“ und alle bekommen die, nur ich nicht? Hab ich den Einsatz verpasst, das Drehbuch nicht bekommen?

Bisher war mir das alles recht egal. Selbst eher unpolitisch, in dem Gefühl, sowieso nichts ändern zu können, habe ich mich nicht nur rausgehalten, sondern mir nicht einmal Gedanken gemacht. „Die Vernunft wird schon siegen.“ oder „Letztlich wählen ja dann doch alle Merkel.“ oder „Mit Vollpfosten diskutieren bringt eh nix.“ oder „Warum sollte gerade ICH da was ändern?“, sind so typische Sätze, die mir da durch den Kopf gingen.

Gemäß dem Sinn: Ja, was ändern wär schon geil, aber wie denn? Muss mal noch überlegen und wird dann schon was einfallen. Sind wir mal ehrlich: Wann sollte das denn passieren? Was habe ich mir dabei gedacht? Dass mich die Erleuchtung wie ein Blitz trifft? Lächerlich!

Jan Böhmermann twitterte letzte Woche: „Das ist keine Übung./This is not a drill.“ 

Die Doomsday Clock wurde um ganze 30 Sekunden nach vorne gestellt.

THIS. IS. NOT. A. DRILL.

Lasst das mal wirklich auf euch wirken, ohne die eigene Verantwortung und das schlechte Gewissen gleich beiseite zu schieben. Wir dürfen ein schlechtes Gewissen haben, weil wie mit diesen Rechtspopulisten am besten umzugehen ist, da wurde ohnehin noch kein machbarer Konsens gefunden. Nur still zu sein und im Leugnen zu hoffen, das bringt nichts mehr.

Die Zeiten von Hoffnung, dass es schon nicht so schlimm wird, die sind vorbei.

Die Zeiten von Ignoranz, im Sinne von „Don’t feed the troll.“ sind vorbei.

Diese rechten Arschlöcher meinen es ernst und wer nicht seine Gegenstimme erhebt, sondern schläft, der wird tatsächlich aufwachen mit Trump, aufwachen mit Brexit, aufwachen mit der AfD im Bundestag. Es wird so sein! 

Geht mal in euch, wie sich diese Wahrheit anfühlt.

History is happening right now. The question ist, how do you want it to remember you?

Ich hoffe sehr, dass ich niemandem erklären muss, weshalb dieses Thema so wichtig ist. Mit menschenverachtenden, empathielosen, tyrannischen Despoten haben wir unsere Erfahrungen gemacht. Ich dachte wirklich, wir wären uns einig, dass es das nicht mehr braucht. Bitte, gehen wir nicht mit falscher Selbstverständlichkeit davon aus, dass sich das schon irgendwie richten wird. Die Zeit können wir uns sparen, oder?

Hinterlasse einen Kommentar

6 Kommentare auf "Let’s try nationalism – What could possibly go wrong?"

Kommentar verfassen

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Benjamin Hittel
Gast

Hör es mal mit Kopfhörern. Das kommt aus dem selben Gefühl. Und nein, Trump ist kein Arschloch. Er bündelt die Intentionen von Milliarden Menschen. Den Job möchte ich nicht haben.

trackback

[…] in meinem persönlichen Umfeld überwiegend auf Desinteresse und Unverständnis zu stoßen. Let’s try Nationalism war schon so ein Beitrag, der aber irgendwie einfach sein musste, dessen Veröffentlichung […]

wpDiscuz