Lüchen googelt: Der Mythos, dass wir nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen…

…und was Meditation damit zu tun hat.

Während allgemeiner Googlerei bin ich öfters auf die Behauptung gestoßen, dass der Mensch nur ca. 10 % des Gehirns benutzt und die restlichen 90 % quasi nur Reserve oder überflüssiger Zellhaufen sind.

Behauptet hat das angeblich Mr. Albert Einstein himself, was ja auf den ersten Blick schon was heißen will. Die Behauptung an sich hat mich schon stutzig werden lassen. Noch ein bisschen irritierter war ich, als mir auffiel, dass vor allem irgendwelche Esoterik/Spiritualitätsguru/Kartenleger/Engelsflüsterer-Seiten davon berichteten, aber keine einzige Universität. Sollte da wirklich was dran sein und die Forscher interessieren sich nicht dafür? Naaaah. Die Eso-Fans schwören aber auf diverse Mittelchen, Kräuter und spirituelle Unterstützung der Engel, die einem quasi eine Standleitung ins zentrale Schwarmgedächtnis herstellen und dich aus der Matrix ziehen. Ich stelle mir da Matrix-Morpheus vor:

Morpheus: „Nimmst du die blaue oder die rote Pille?“

Und ich so: „Mmpf, hast du kein Pfefferminzöl oder Lavendel?“

Als ich aber nachdachte, wie dämlich ich manchmal bin und wie oft ich mich dabei ertappe, hochkonzentriert ins Nichts zu schauen (mit dem Ofenrohr ins Gebirge würde Mom jetzt sagen), ohne überhaupt zu bemerken das ich abgeschaltet habe, oder wie schlecht ich in Mathe bin, oder wie schlecht ich mich an das Mittagessen von heute erinnern kann… da kam mir das so abwegig dann wieder nicht vor.

ANTWORTEN, WIR BRAUCHEN ANTWORTEN!!!

Als müsste ich die Theorie selbst als unsinnig beweisen, setzte ich erst einmal meinen eigenen Hirnschmalz ein. Wenn Einstein so etwas gesagt hat, dann hätte er meinen können:

  1. Nur jede 10. Gehirnzelle ist jeweils aktiv, die anderen schlummern friedlich. Gar nicht sooo schlecht, weil wenn alle auf einmal feuern, das wäre ja wie ein epileptischer Anfall. Und wenn mehr Gehirnleistung einen Daueranfall bedeuten würde, dann bleibe ich lieber dämlich.
  2. 90 Prozent der Zellen in der Zentrale sind für den Bobbes und nehmen nur Platz weg, vielleicht sind sie als Reserve da? Neuronen haben die Fähigkeit zur Zellteilung verloren, also hat man lieber noch was auf Lager, oder? Aber wie sind dann die Einschränkungen nach einem Schlaganfall zu erklären? So ein Extraset Neuronen im präfrontalen Cortex würde dann ja einspringen, um weiter entscheiden zu können, was zu tun ist, aber NIX ISTS DAMIT! Zudem feuern je nach Aktivität ja verschiedene Hirnareale gleichzeitig, da wäre dann ja ein Hirn im Einmachglas zur Reserve besser, wegen Platzgründen und so.
  3. Wir nutzen nur ganz wenig von unserem Erinnerungsvermögen. Vielleicht haben wir damit auch vergessen, wie man das Gehirn richtig benutzt? Tägliche Beobachtungen der Menschen um mich herum scheinen diese Theorie zu beweisen. Aber wir haben da ja nicht so ein Konstrukt wie eine Festplatte im Kopf, die sowas wie Speicherzellen hat, sondern unsere Erinnerungen sind Muster aus zusammengesetzten Neuronen. Mmmh. Also irgendwie auch nicht.

Rettung kam in Form der Stimme meines damaligen Mathelehrers, Hr. Paul (immer noch ungebeten, selbst 15 Jahre später). Der hat uns nämlich einmal gesagt: „Habt keine Angst vor Mathe. Abstraktes Denken ist effizient. Versucht nicht, euch Dinge einzeln zu merken, sondern baut euch abstrakte Konstrukte und merkt euch dieses als einzelnes Teil und ruft dann erst die Details ab, wenn ihr sie braucht. Gewöhnt euch das an, und ihr habt keine Kopfschmerzen mehr.“

Yeeeaaah. Mittlerweile habe ich bemerkt, was er damit sagen wollte – damals… not so much. Herr Paul und ich waren da aber auch nicht die besten Freunde.

Wie dem auch sei und wie schwer es mir auch fallen mag, das zuzugeben: Herr Paul hatte natürlich recht. Und auch wenn er damals über Mathe gesprochen hat, so gilt seine Aussage doch auch physio- und psychologisch.

Das Ziel des menschlichen Organismus in seiner Gesamtheit ist einfach definiert: Maximale Leistung bei minimalem Energieaufwand.

Und warum sollte mein ökonomisiertes Gesamtsystem 100 % der Zentrale feuern lassen (was unheimlich viel Energie verbraucht), wenn es seine Aufgaben auch mit einem Bruchteil erledigen kann?

Ein Gehirn das im CT leuchtet und blinkt wie ein Christbaum deutet also nicht zwangsläufig auf ein Genie hin. Und es ist völlig unerheblich wie viel Prozent meiner Gehirnmasse ich benutze. Weniger ist halt auch in der Zentrale mehr.

Der endgültige Oberknaller kam allerdings, als ich dann noch las, dass Meditation die Gehirnleistung um 30 Prozent steigern soll. Und ich musste lachen, laut und fasste den Entschluss, hier ein bisschen Klugscheissern zu müssen.

Weiß der Geier, ich bin ein Fan von Esoterik (in gewissem Maße) und vor allem von Meditation. Zwar habe ich keine Ausbildung, aber eines weiß ich gewiss: Meditation räumt die Zentrale auf, aber sie steigert nicht die allgemeine, dauerhafte elektrische Erregung innerhalb des Zentralen Nervensystems. Viel mehr ist es so, dass das tägliche Chaos im Kopf den Durchblick verhindert und dauernd ablenkt: „Ich mach jetzt gleich mal die Excel Tabelle fürs Projektmanagement – Oh hey, ich hab Flusen im Bauchnabel. Ay macarena!“

Meditation räumt auf und verleiht Fokus, wodurch wir in der Lage sind uns auf eine Sache zu Konzentrieren, die uns ergo auch leichter von der Hand geht. Dieser Fokus geht aber nicht darauf zurück, dass 30 Prozent mehr elektrische Leitungen zur Verfügung stehen, weil sie quasi an den Hauptschalter angeschlossen wurden. Wir fühlen uns wacher, weil wir mit tieferer Atmung mehr Sauerstoff aufnehmen, in der Ruhe werden Stresshormone abgebaut, wir fühlen uns weniger gehetzt.

Im Moment lerne ich viel für meine Ausbildung zum Heilpraktiker. Und glaubt mir, ich habe alles versucht, damit es mir leichter fällt. Da wollte ich es mit Trick 17 versuchen und meine Zentrale überlisten: wir festigen Gelerntes im Schlaf, neue Nervenverbindungen werden dann gebildet und im Laufe des Tages gebildete endgültig gefestigt. Ich wollte meinem Gehirn Schlaf vorgaukeln und versuchte es mit Meditation je zwei Stunden nach einer Lerneinheit.

Was soll ich sagen? Ich geh jetzt wieder früher ins Bett.

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8 Kommentare auf "Lüchen googelt: Der Mythos, dass wir nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen…"

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Anny Page
Gast

du machst Heilpraktikerin ??? Ja wie cool ist das denn…hab ich wohl verpasst …wie kams?
Ja unser Hirn….bei manchen schaltet es schneller und intensiver..bei anderen bewegen sich zumindest die Schultern…..gute Nacht dir da drüben

stephanie
Gast

Cool…Heilpraktikerin! Ich ziehe meinen Hut…

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[…] einen Post (mit Sinn) für heute gibts natürlich auch. In einem Beitrag hatte ich erwähnt, dass ich nebenzu eine Ausbildung zur Heilpraktikerin mache. Scheinbar gibt es […]

lunarterminiert
Gast

Für „…ich hab Flusen im Bauchnabel..“ folge ich Dir glatt. Für die Sache mit der Meditation sowieso 😉 Liebe Grüße

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