Manche Leute sind beratungsresistent… Leider.

Manchmalfallen Antworten

Eigentlich bin ich kein Freund von direkten Ratschlägen im Sinne von „Tu das und das, dann funktioniert das“ oder „Kannste schon so machen, aber dann isses halt kacke.“ Lieber versuche ich, Leute zum Nachdenken zu bringen und lege ihnen nahe, den eigenen Blickwinkel zu wechseln. Frei nach „Versuche nicht andere zu ändern, sondern fange bei dir selbst an“ und „Versuche dir die Situation mal aus dem Blickwinkel deines Gegenübers anzusehen und analysiere dann“.

Meistens funktioniert das ganz gut, denn in der Regel präsentieren sich Lösungen allein schon dadurch, dass über das Problem mit einer unbeteiligten und objektiven Person gesprochen wird. Ich glaube, man distanziert sich dann ganz automatisch auch selbst, selbst wenn ein Problem sehr emotional ist.

Manchmal aber mag das so gar nicht funktionieren. Dann erwarten die Leute quasi eine fertige Gebrauchsanweisung. Bei allgemeinen Themen in denen ich sehr sattelfest bin und die in der Sache selbst eher unemotional sind (Medizin zum Beispiel) mag das funktionieren, aber ich mag es gar nicht, wenn jemand von mir erwartet, dass ich ihm das ganze Denken abnehme. Und ich erwarte bis zu einem gewissen Grad, dass Leute dann auch für meine Hilfe empfänglich sind. Anders als hier auf diesem Blog, wo ich meine Themen einstelle und hoffe, dass jemand daran Anklang findet, sollte jemand der aktiv auf mich zu geht und um Hilfe bittet meine Vorschläge dann auch in Betracht ziehen.

Das ist immer öfter aber nicht der Fall, leider.  Wenn ich um Hilfe frage, muss ich davon ausgehen, dass die Antwort möglicherweise nicht so ausfällt, wie ich sie mir gewünscht hätte. Das liegt einfach in der Natur der Sache, jemand anderen um seine Meinung zu fragen. Leider gibt es solche beratungsresistenten Personen, die zwar um Hilfe bitten, bei einer Antwort die sie nicht hören wollen aber komplett auf Stur schalten.

(Wem die Geschichte um Person A zu lang ist, der kann einfach nach dem kursiven Teil weiter lesen)

So zum Beispiel Person A, die ich seit langem kenne. Person A leidet unter Schilddrüsenunterfunktion, chronischem Lungenödem und Herzschwäche, was in Kombination bereits einmal beinahe zum Tode führte. Aber Person A mag keine Medikamente nehmen. Nun kam Person A zu mir und bat mich um eine Einschätzung, die Entwässerungstabletten eigenmächtig abzusetzen.

Meine Jahre im aktiven Sanitätsdienst sind schon ein wenig her und sie waren kurz, aber es sollte von Haus aus klar sein, dass mit einem Lungenödem nicht zu spaßen ist. Also wies ich Person A darauf hin, dass die Tabletten ein Leben lang einzunehmen wären, empfahl aber, den Hausarzt aufzusuchen und mit dem über eine mögliche Reduzierung der Dosis zu sprechen oder bei Unwohlsein nachzufragen ob ein anderes Medikament mit gleicher Wirkung aber anderen Nebenwirkungen verfügbar wäre.

Person A sagte mir daraufhin, dass sie sich enorm gestört fühlen würde, weil die Entwässerungstabletten dafür sorgen würden, dass die Bauchregion „aufgeschwemmt“ werde. Nun war das eigentliche Problem also klar. Es ging nicht darum, dass Person A die Tabletten nicht mehr nehmen möchte, sondern darum, dass sie sich „fett“ fühlte.

Ich bin niemand der für Bodyshaming ist. Ganz im Gegenteil, ich liebe essen und ich liebe ungesundes Essen, zwinge mich aber zur Mäßigung und jeder soll da tun wie er möchte, solange er sich dabei wohl fühlt.

Leider musste ich in diesem Fall Person A darauf aufmerksam machen, dass Entwässerungstabletten in der Regel einen gegenteiligen Effekt zum „aufschwemmen“ haben, was ja auch ihrer Funktion entsprechen würde. Stattdessen schlug ich Person A vor, abends statt einer Flasche Wein nur noch ein Gläschen zu trinken. Sahne und Schweineschmalz beim Kochen zu reduzieren und in der Früh lieber einen Müsli zu essen, als zwei Butterbrote mit Salami und Käse oben drauf. Das kam nicht gut an.

Denn Person A fragte mich entgeistert, was sie denn dann noch „fressen“ dürfte und wenn das so sei, dann würde sie lieber drei Jahre früher sterben. Daraufhin fragte ich Person A, ob sie schon das Gefühl vergessen hätte, wie es denn sei, früher zu sterben, wo sie doch schon einmal kurz davor gewesen war. Und ob eine ungesunde Ernährung eine Wiederholung wert wäre? (Taktlos, gebe ich zu, aber wahr.)

Das Gespräch mit Person A war dann ganz schnell beendet.

Person A ist nur ein Beispiel von vielen. Die Situation lässt sich auf jedes beliebige Problem übertragen. Die Antwort fällt nicht so aus, wie gewünscht und daraufhin wird blockiert. Nicht immer könnte das so krass enden wie bei Person A, aber das ist hier nicht der Punkt.

Dinge, die uns Menschen bedrohlich vorkommen, verneinen wir einfach. Wir blenden sie aus. Denn die Gemütlichkeit unserer schlechten Angewohnheiten ist uns wichtiger als jedes Ergebnis, das wir mit Veränderung bewirken könnten. Der innere Schweinehund (körperliche Veränderung) und das Ego (wenn es um unseren Charakter geht) halten uns meistens erfolgreich davon ab, etwas zu verändern. Selbst wenn wir uns damit um die Möglichkeit eines besseren Lebens bringen.

Was kannst du tun, wenn der Schweinehund regiert?

1. Bleib offen für Veränderung: Schweinehund und Ego einmal abschalten und versuchen objektiv auf eine Situation zu blicken. Ein Trick ist, sich vorzustellen, wie ein Wissenschaftler das Problem angehen würde. Dieses Gedankenspiel schafft Distanz und mindert Emotionen. Das ermöglicht auch, dass wir Fehler in uns selbst erkennen können, die sonst vom Ego verdeckt werden und die wir gerne erst einmal Anderen zuschreiben. Selber denken, nicht denken lassen ist wichtig und richtig. Unterstützung darf aber gerne sein.

2. Mut zur Veränderung: Wir bleiben gerne in unserer Komfortzone. Das ist ganz normal. Veränderungen an uns selbst und die Konsequenzen aus diesen Veränderungen kommen uns anfangs übermächtig und schwierig vor. Das ist aber nur unser Schweinehund, der keine Arbeit investieren will. Tatsächlich sind die Konsequenzen aus unseren Entscheidungen in der Regel nicht halb so schlimm, wie wir sie uns zu Anfang vorgestellt haben. Mehr machen und weniger darüber nachdenken könnte die Devise sein.

3. Durchhaltevermögen: Veränderung braucht Zeit, die wir uns oft nicht zugestehen. Aber Veränderungen in einer Hauruck-Aktion sind meistens eher kurzlebig. Wir sind im Grunde unseres Herzens nicht von der Veränderung überzeugt und damit wird sie zu einer lästigen Bürde, die wir (oder unser Berater) uns auferlegt haben. Das ist nicht Sinn der Sache. Veränderungen müssen aus dem Herzen kommen damit sie permanent werden können. Wie wir das machbar ist? Siehe Punkt 1.

Was denkst du darüber? Kennst du auch eine beratungsresistente Person die du am liebsten richtig durchschütteln möchtest, damit sie es kapiert? Und was machst du wenn sie auf Stur schaltet? Lieber Komfortzone oder Abenteuer Veränderung?

Für interessante Ideen und Anregungen ist wie immer unten in den Kommentaren platz! Ich freu mich!

Deine Lu

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6 Kommentare auf "Manche Leute sind beratungsresistent… Leider."

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feivel92
Gast

Am liebsten würde ich es so machen: Jemanden einen Ratschlag geben, gerne auch zwei- oder dreimal wenn ich mir selbst wirklich sicher bin, den „richtigen Weg“ zu erkennen. Und wenn dann keine Veränderung vorgenommen wird, habe ich meinen Teil getan, habe versucht zu helfen, doch man kann niemandem helfen der keine Hilfe möchte und dazu zähle ich auch Menschen wie „Person A“.
Doch leichter gesagt als getan, wenn einem die Person wirklich am Herzen liegt und man dann hilflos zusehen muss wie sie in ihr eigenes Verderben rennt.

englandliebhaber
Gast

Jeder Mensch muss auch erlaubt sein, seine eigenen Fehler zu machen. Manche dieser Fehler kann man nicht mehr rueckgaengig machen. Aber das kannst Du nicht aendern.

Ich habe eine aehnliche Freundin, die nie auf meine Ratschlaege hoert. Ich musste auch schon oefters den Kopf in den Sand stecken.

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