Selbstlosigkeit

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Ich bin baff, platt, erstaunt, bekomme meinen Kopf nicht drum rum gewickelt: ein Akt völliger Selbstlosigkeit. Nicht von mir, sondern von meinem bald Ex-Schwager.

Eine SMS war es. „Deine Schwester hat am Sonntag Geburtstag. Du bist die Einzige, die ab und zu noch mit ihr spricht. Ich würde mich freuen, wenn du sie besuchst.“

WHAT?

Was soll ich sagen? Es hat übel geendet, und es war nicht seine Schuld. Die Geschichte ist umfangreich, persönlich, verletzend, verblüffend und eine Parodie auf gesundes Familienleben.

Und nun das: „Ich würde mich freuen, wenn du sie besuchst.“

Und ich so: „Ist das dein fucking Ernst? Sollte die Einladung nicht von IHR kommen und nicht von der einzigen Person auf der Welt bei der ich es 100 Prozent verstehen könnte, wenn er ihr ein langsames, qualvolles Ende wünscht? Whaaat?“

Und er so: „Sie tut mir leid. Sie hat niemanden mehr. Du bist die Einzige, die sich neutral verhält und manchmal noch mit ihr spricht. Familie ist wichtig.“

Yeah, alright, ich bin so neutral, ich bin die fucking Schweiz dieser Familie. Natürlich werde ich hin gehen, das stand schon vor der SMS fest. Die Fragerei war vor allem, um meinem Verständnis auf die Sprünge zu helfen, warum so viel Selbstlosigkeit und immer noch Zuneigung ausgerechnet von ihm kommen.

Weil das ist…. fucking awesome, unglaublich, selten und so erstaunlich. Weil es so selten ist, was total traurig ist. Und es kostet ihn… nichts. Ich habe gefragt, ob es weh tut, wie er sich fühlt. Er sagte, dass es okay sei, dass es kein Zurück mehr gebe und dass das Leben weiter geht.

Das hat mich über meine eigenen Trennung vor sechs (oder sind es schon sieben?) Jahren nachdenken lassen. Die hässlich war und wir beide haben uns gegenseitig Krater ins Herz geschlagen, was nicht schön war und sehr weh tat und uns bis heute nicht hat sprechen lassen. Und ich schrieb eine Nachricht an ihn: „Es tut mir leid. Reden?“

Und er hat angerufen. Und wir haben gesprochen. Und geweint, beide.

Das Leben geht weiter. Und es ist okay. Es gibt kein Zurück, aber ein Vorwärts. „Man sieht sich immer zwei Mal im Leben“, sagt man. Es wäre schön, wenn diese Begegnung nicht von Ablehnung und Angst geprägt wäre. Zeit, die Leichen aus dem Keller zu räumen, für ein leichtes und weites und freudiges Herz.

xoxo

Luisa

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8 Kommentare auf "Selbstlosigkeit"

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Anny Page
Gast
Oh wow was für eine Begegnung! Ich find es voll toll wie er gehandelt hat! Sehr sogar..es zeigt noch immer Liebe dahinter…ich denke trotzdem das er losgelassen hat…..schade das Familien teilweise so auseinander gehen…hab da auch eine Freundin bei deren Familie es echt schlimm verläuft…..ohne meine Familie…ne das geht gar nicht! Liebe die zu sehr! Das längste der Gefühle war mal eine Woche fast Funkstille….ne ne…………..und schön das du die Schweiz bist! Weil du bereits so viel Wissen hast, wie es auch anders geht..zumindest kommt es mir so rüber 🙂 …..war schon eine Erlösung zusammen zu weinen oder? Wenn man… Read more »
Glück der kleinen Dinge
Gast
Menschen, die man einmal in sein Herz gelassen hat werden uns niemals gleichgültig sein. Es wird Tage geben, in denen wir sie vermissen, Tage, in denen wir sie verfluchen, aber berühren werden sie uns immer. Ganz egal wie nahe sie uns stehen oder standen, plädiere ich ja immer für einen respektvollen Umgang miteinander, denn dazu bedarf es eigentlich gar nicht viel und sollten wir das einander nicht schuldig sein?! Ich weiß, dass viele das leider anders sehen oder anders handhaben und die Gefahr ist nun mal umso größer je verletzter die betroffenen Personen sind und doch muss ich sagen, dass… Read more »
moteens
Gast

Er scheint einen tollen Charakter zu haben. Selbst in so einer Situation sich noch um den anderen zu sorgen ist wirklich nicht selbstverständlich!

Happy Dings
Gast

„Und er hat angerufen. Und wir haben gesprochen. Und geweint, beide.“ Sehr schöne Geschichte. Es fühlt sich doch am Ende immer besser an, wenn man über seinen eigenen Schatten springt und mit Würde eine Sache beendet. Manchmal kann man das nicht gleich sofort, weil es einfach so schmerzt. Aber für so eine Geste ist es nie zu spät finde ich.

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