Über mich

Über mich

Ich mag meine About Page nicht, weiß aber noch nicht so richtig, wie ich das beheben soll. Nun bin ich aber ja da, und ich poste und kommentiere und ich möchte nicht, dass irgendwie ein falscher Eindruck ensteht, worum es mir geht, wer ich überhaupt bin und was ich hier will und was nicht.

Oft entsteht der Eindruck, ich würde derzeit mit einer depressiven Phase kämpfen. Das ist nicht der Fall! Fakt ist aber: Zwei Jahre meines Lebens habe ich daran verschwendet, mich voll und ganz der Depression hinzugeben, weil ich zu ängstlich war an meiner Sichtweise auf die Dinge zu arbeiten! Ich war verkrampft, ängstlich, bin schrecklich mit mir selbst umgegangen. Das hat sich geändert.

Heute habe ich Probleme, ja, wie jeder andere auch. Und doch bin ich wesentlich entspannter, habe keine Schwierigkeiten damit meine Ängste offen auszusprechen und ich habe gelernt Respekt und Achtung mir gegenüber zu fordern, auch von mir selbst. Ich lasse mich nicht mehr „Bulldozern“ und ich weiß, ich bin nicht kleiner, schwächer, dümmer oder weniger wert als jede andere Person auf diesem Planeten. Die Umsetzung stottert manchmal ein bisschen, aber ich arbeite an mir, und das genügt vollkommen.

Bis ich an diesem Punkt gekommen bin, hat es gedauert. Sieben Jahre um genau zu sein. Zwei Jahre, wenn man die Zeit abzieht, in der ich mich zu 100 % mit der Depression identifiziert habe und die Zeit, als ich gekämpft habe, wieder ein „normales“ Leben zu führen und es eigentlich nur darum ging, wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Eine wichtige Person in diesem Prozess war und ist meine Physiotherapeutin. Die kann nicht nur mein Knochengerüst wieder in die richtige Position bringen, sondern auch meine Seele. In einem unserer Gespräche ging es um das persönliche Lebensziel und um meine Zweifel an meiner Berufswahl. Das war zu einer Zeit, in der ich keinen Stein meines Lebens auf dem anderen lassen wollte. Sie sagte mir, dass ich durchaus eine Assistentin sei, aber eben nicht als Arbeitshilfe für zeitgetriebene Manager, sondern eher als Assistentin für Lebenssituationen. Ob ich mich schon einmal gefragt hätte, wofür meine Depression gut gewesen wäre, warum ich mich selbst beim Psychologen nicht gut aufgehoben gefühlt hatte? Ich war sprachlos, denn ich verstand nur Bahnhof.

Klärung kam in Form einer Bekannten, die ich im Wartezimmer beim Psychologen kennen gelernt hatte, die immer noch stark mit der Depression kämpfte und die eines Tages unangemeldet an meiner Arbeitsstelle auftauchte. Sie klagte mir ihr Leid, dass es einfach nicht besser würde und dass sie nicht mehr wisse, was sie noch an sich ändern könne, damit sie endlich wieder „normal“ sei. Und ich sagte: „Hör auf, dich mit deiner Depression zu identifizieren. Sie ist eine Krankheit, kein Charakterzug.“ Und ich hatte keine Ahnung woher das plötzlich gekommen war, aber ich spürte, dass ich genau den Punkt getroffen hatte. Wir diskutierten weiter und am Ende bat sie mich, einen Vortrag in ihrer Selbsthilfegruppe zu halten. Das war mein Einstieg als „Teilzeitcoach“.

Ich stürzte mich auf psychologische Fachlektüre, erwog, Heilpraktikerin für Psychotherapie zu werden, merkte aber bald, dass das noch immer nicht meins war. Etwas fehlte. Wieder besprach ich mich mit meiner Physiotherapeutin. Sie fragte: „Was sagt deine innere Stimme dazu?“ Und in meiner Brust fühlte ich, wie scheinbar eine Kette gesprengt wurde, meine Schultern sackten nach unten und ich fing an zu weinen. „Meine innere Stimme, die fehlt. Weil ich noch immer beurteile, statt nur zu machen und Vertrauen zu haben, dass alles kommt, wie es kommen muss und das es gut sein wird. Ich folge vermeintlich meinem Herzen, indem ich Fachbücher auswendig lerne und doch ist es in Echt nur Ablenkung, weil ich tatsächlich eigentlich nichts mache. Ich tue nur so, bewirke aber nichts.“

Und so kam ich zur Spiritualität, um erst einmal zu lernen, wie die innere Stimme sich ausdrückt. Gabrielle Bernsteins Buch „Du bist dein Guru“ zeigte mir, dass Spiritualität weit davon entfernt ist pseudo-religiöses Geschwalle zu sein, wenn man es nur richtig ausdrückt. Spiritualität bedeutet für mich auch nicht, ein baumknutschender haschrauchender Hippie zu werden, der aussteigt und sein Selbstversorgungsprojekt startet. Spiritualität hat für mich nichts mit Tarotkarten und Ouijaboards zu tun. Spiritualität bedeutet für mich, zu sich selbst zu finden und einfach mal fünfe gerade sein zu lassen, weil man sich selbst genug ist.

Spiritualität ist keine Form von Religion, die uns ihre Wertvorstellungen aufzwingen möchte. Vielmehr hilft sie uns, von unserem destruktiven Verhalten uns selbst und anderen gegenüber weg zu kommen, indem sie uns gerade von unseren Wertvorstellungen und Beurteilungen befreit. Und dann bleibt nur noch die Liebe übrig.

Ich habe also keine fachliche Ausbildung zum Psychotherapeuten, Coach oder ähnliches. Ich bin auch keine ausgebildete Yoga-Lehrerin oder Meditations-Instruktorin (wie auch immer man das nennt). Ich will mir nicht anmaßen, das Leben anderer Leute zu beurteilen, weil ich das nicht kann. Was ich will ist, meine Erfahrungen zu teilen und dadurch den ein oder anderen zu inspirieren, weil er sich selbst wieder findet. Jemanden zum Nachdenken bringen, weil ich nun selbst weiß, dass die Antworten auf unsere Fragen immer in uns sind. Das Schwierige ist, unsere Ängste zu überwinden und dann tatsächlich auch aktiv zu werden. Denn ohne unser Zutun, ändert sich nichts. Und zu guter Letzt will ich meine Werkzeugkiste öffnen, vielleicht kann der eine oder andere etwas damit anfangen.

Und dieser Text wäre für eine About Page vermutlich auch viel zu lang. =)

Habt einen schönen Abend, ihr Lieben.

Eure Lu

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5 Kommentare auf "Über mich"

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feivel92
Gast

Schöne offene Worte 🙂

nomind123
Gast
Schöner Text. Sieh Depression nicht als Krankheit, denn so setzt Du sie in eine Beziehung zu Dir. Es ist was auftaucht in Deinem Bewusstsein. So wie alles andere auch. Es mag vielleicht zu leicht klingen, aber sobald Du es bewertest oder labelst, ist da jemand der depressiv oder krank ist. Es ist einfach ein Auftauchen einer Wahrnehmung, ein Phänomen. Und alle Dinge unterliegen dem Gesetz der Endlichkeit…was kommt, geht. Je bewusster und aufmerksamer Du bist und die Erscheinung Deiner Geistesverfassung und ihren Gedanken erkennst, desto weniger Macht üben sie aus. Denn Du bist jenseits davon. Es taucht nur in Dir… Read more »
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[…] Ich war bei meiner Physiotherapeutin. Die Hexe, ihr erinnert euch? […]

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