Vertrauen, Geduld, Hier und Jetzt – Halte den Kontrollfreak an der Leine

Vertrauen

Vertrauen. Das ist DAS Wort, bei dem es mir sämtliche Innereien zusammen zieht und Vertrauen ist meine ganz eigene Großbaustelle.

Habe Vertrauen ins Universum, ins Schicksal, in Gott. Habe Vertrauen in dich selbst. Habe Vertrauen in dein persönliches Umfeld. Vertrauen. Alles wird kommen, wie es kommen muss.

Ächz.

Eng mit Vertrauen verbunden: Geduld und im Hier und Jetzt sein. Die Hudlerei (allgäuerisch für schnell, schnell)  bringt ja sonst doch nichts.

Aaaargh. Da werden meine Finger zu angespannten Klauen.

Es macht Sinn, ja. Das Sein im Hier und Jetzt, die Geduld, das Vertrauen, alles Dinge, die für die Psyche in unserer schnelllebigen Zeit gesund sind. Und die vielleicht gerade deshalb so unglaublich schwer einzuhalten sind. Ich meine, ganz ehrlich? Die Aufforderung „zu Vertrauen“ begleitet mich jetzt schon seit Jahren in verschiedenster Weise und scheinbar bekomme ich das immer noch nicht richtig gebacken, weil ansonsten wäre diese Aufforderung nicht mehr nötig, nicht wahr?

Ich bin von Haus aus ein kleiner Kontrollfreak. Ich möchte über alles und jeden bestimmen, damit das mit meinem mega-genialen Plan übereinstimmt, den ich gefühlt für die nächsten zehn Jahre detailgetreu in meiner Vorstellung habe. Es fängt im Kleinen an: Mein Tag ist bis Abends genau durchgetaktet, in Minuten, und es hört im Großen auf: tu was, tu es jetzt, mach das hier so und das da so.

Hört sich dann ungefähr so an: Wie, warten auf einen Termin? Nein, ich möchte das jetzt sofort haben, bitte, deine Meinung ist dafür nicht relevant. Nein, du rauchst jetzt keine Zigarette mehr, das sind 10 Minuten, in denen wir schon da und da sein könnten, damit ich da produktiv sein kann. Ich möchte, dass das in zwei Jahren so und so aussieht, was muss ich dafür alles tun? Ja, ich möchte bitte alles auf einmal tun, wer braucht schon zwei Jahre Zeit, wenn ich das auch in zwei Stunden wuppen kann? Nein, nein, das ist keine Ungeduld (wie kannst du mir das vorwerfen, huh?!), sondern das ist Zielstrebigkeit. Du hast doch überhaupt keinen Plan, ich schon. Duh.

Auch der Gedanke, den Ball in die andere Hälfte des Spielfelds zu spielen und warten zu müssen, was die Gegnerseite macht, ist beinahe unerträglich. Ich fange dann an, Gräben in den Boden zu laufen und giftige Blicke durch die Gegend zu schleudern.

Ja, ekelhaft, elkelhaft, ekelhaft.

Der Gedanke, nicht zu wissen, wie die Zukunft aussieht, macht mir manchmal Angst. Also, richtig Angst, Kopf-in-den-Sand-stecken-Angst. Dann erinnere ich mich wieder daran, dass es egal ist, ob ich Angst habe, oder nicht, es ändert nichts. Was ich tun kann, liegt nur im Jetzt, in dem ich dafür sorge, dass ich jetzt den Weg ebne, um eine Zukunft zu bekommen, die mir gefällt. (Dass ich das weiß, heißt nicht, dass es einfach ist, meh.)

Heute habe ich in der Mailbox ein sehr schönes Zitat gehabt und das hat mich zugleich erschreckt (weil genau die Antwort, die ich gesucht habe) und auch wieder aufgemöbelt:

„TRUST HELPS THE INSIGHTS TO SURFACE“

Denn genau das ist mein Problem, nicht wahr? Ich rudere und rudere und will unter allen Umständen, dass die Dinge so kommen, wie ich sie will, weil ich genau weiß, dass mein ganzer genialer Masterplan in echt für den Boppes ist. Es bringt nichts, etwas erzwingen zu wollen, weil ich eigentlich gar nichts weiß und ich mich hilflos fühle. Vertrauen ist der Schlüssel zum Herzen und das wird mir im richtigen Moment mitteilen, was jetzt zu tun ist….

…wenn ich nicht gerade zu sehr damit beschäftigt bin, die Weltherrschaft an mich reißen zu wollen und daher keine Zeit habe, da hin zu hören.

Tiefer Seufzer.

Was hilft, ist tägliche Meditation um den Kanal für das Herz bewusst offen zu halten und regelmäßige Erinnerung daran, dass ich kein Übermensch bin, der alles wissen und können muss. Das Schicksal wird es schon so einrichten, das es passt. Und da wären wir wieder: Vertrauen, Geduld, Hier und Jetzt. =) Und tatsächlich ist es dann so, dass ich überrascht werde, wie sich die Dinge fügen und meine Sorgen oft ganz umsonst waren.

Habt ihr auch solche Probleme, den inneren Kontrollfreak loszulassen und einfach mal auf den Zuschauerrängen des Lebens Platz zu nehmen? Was tut ihr, um da ein bisschen entspannt zu bleiben?

xoxo

Luisa

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5 Kommentare auf "Vertrauen, Geduld, Hier und Jetzt – Halte den Kontrollfreak an der Leine"

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Glück der kleinen Dinge
Gast
Manchmal hätte ich auch gern mehr Zuversicht und die buchstäbliche A****ruhe – eben jene Gelassenheit durch die sich sein stolzer Besitzer von Nichts und Niemanden aus der Ruhe bringen lässt, er alle Anderen dafür aber umso mehr. Leider ist auch mir diese Charaktereigenschaft nicht vergönnt und die letzte Beziehung hat auch am Vertrauen ganz schön gerüttelt, aber es hilft in der Tat, wenn man einfach mal einen Gang zurückschaltet und den Kopf frei macht. Ich finde, hierbei hilft Auspowern richtig gut (joggen, ausgedehnte Spaziergänge,…) und ein Besinnen auf die vielen kleinen und schönen Momente im Leben, die das Leben (er)lebenswert… Read more »
stephanie
Gast

Ja ja, wir Kontrollfreaks:):)…ich denke, wenn Du weisst, dass Du eigentlich gar nichts weisst, ist das schon ein ziemlich guter Anfang. Weiter weiss ich jetzt auch nicht, aber Du sprichst mir, wie schon so oft aus der Seele. Wenigstens das weiss ich:)…

trackback

[…] auch wenn es nur um die 10 Minuten sind. Das bringt schon mal alles durcheinander. Ihr wisst ja, ich bin getaktet. Scheinbar schlafe ich schlecht, auch wenn ich durchschlafe. Beim Aufstehen fühle ich mich wie […]

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