Warum es nichts bringt, etwas erzwingen zu wollen

WRITING 101

Mein Urlaub ist vorbei und ich habe schon wieder das Gefühl, schreiend von meinem Job weglaufen zu wollen. Es fühlt sich an, als müsste ich mich jeden Tag rechtfertigen, mein Schreibtisch wird durchwühlt und es hilft weder vernünftig darüber zu sprechen bzw. meine Frage nach Hilfe wird einfach ignoriert, als hätte ich gar nicht gesprochen.

Zuerst habe ich versucht, mich dagegen zu wehren. Das hat in einem richtig großen Streit geendet, der keinem etwas gebracht hat. Dann habe ich versucht, vernünftig darüber zu sprechen, dass mich dieses Verhalten stört und darum gebeten, dass sich alle an ihre eigene Maxime der Professionalität zu halten haben. Daraufhin gingen meinem Gegenüber die Argumente aus und ich wurde persönlich angegriffen. Mir fiel nichts besseres ein, als zu rebellieren, wofür ich müde belächelt wurde. Dann kam mein Urlaub dazwischen und ich fühlte mich aufgrund der Distanz wieder besser. Ich kam zurück, wieder waren alle meine Unterlagen durchwühlt, teilweise sogar verschwunden. Sofort waren alle negativen Gefühle wieder da. Ich kam mir vor wie in einem Deja Vú und ich wusste, ich muss etwas unternehmen.

Zuerst vielen mir unzählige wahnsinnige Ideen ein: Den nervigen Kollegen wegen Mobbing belangen, einfach die Arbeit niederlegen und nach Hause gehen, solche Sachen. Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass ich mir mit solchen Aktionen mehr schaden als nutzen würde. Also grub ich tiefer: Was genau störte mich an der Situation?

Schnell wurde mir klar, dass ich mich gegenüber dieser Person machtlos fühlte, in eine Ecke gedrängt und von allen anderen im Stich gelassen. Und wie ein verzweifeltes Tier versuchte ich, mich mit groben Schlägen aus der Situation zu befreien um noch mehr in Panik zu geraten, weil es mir nichts brachte.

Ich hatte versucht, mit meiner Art meine Machtlosigkeit zu überspielen und damit zu erzwingen, dass ich gehört werde und um Hilfe gerufen, weil ich in meiner Persönlichkeit verletzt wurde.

„Du kannst nicht die anderen ändern, nur dich selbst.“, ging es mir durch den Kopf, als ich das Problem erst einmal genau definiert hatte. Und dieses Zitat zwang mich zu einem Wechsel in meinem Blickwinkel. Weshalb sollte ich mich angegriffen fühlen? Dafür, dass ich die Wahrheit gesagt hatte? Dafür, dass ich meine Arbeit mache? Mir wurde klar, dass die ätzende Art des Kollegen genau die gleiche Taktik darstellte, wie ich sie angewandt hatte: Er fühlt sich in die Ecke gedrängt und fängt deshalb an persönlich zu werden, anstatt zuzugeben, dass er vielleicht falsch liegt, oder vernünftig zu diskutieren.

Und diese Einsicht hat mich in eine ganz neue Position gebracht. Ich habe jetzt Macht über ihn. Sicherlich nicht so, dass ich besonderen Einfluss auf die Dinge nehmen könnte, aber doch so viel, dass ich mich selbst nicht mehr schlecht fühle sondern ihm mit einem Lächeln ins Gesicht sehen kann und heimlich Mitleid habe.

Here’s the thing:

Leute versuchen etwas zu erzwingen wenn sie sich machtlos fühlen.

Zwang hilft uns nicht. Er ist wie ein Laufband, auf dem wir uns zu Tode rennen können, weil wir nie ein Ziel erreichen können. Denn auch wenn wir beim ersten Mal vielleicht erfolgreich etwas erzwungen haben, wird sich das Ergebnis niemals so gut anfühlen, wie ein wirklicher Erfolg und wir sind bald wieder dabei, etwas anderes zu erzwingen.

Zwang macht uns kraftlos, verzweifelt, leer. Macht dagegen gibt uns ein kraftvolles Gefühl in unserem Solarplexus (wo das Selbstwertgefühl sitzt) und füllt unsere Kraftreserven wieder auf. Macht muss Macht nicht heraufbeschwören, Macht ist einfach da. Deine Ausstrahlung verändert sich, du wirkst zuversichtlich und selbstsicher. Macht ist Akzeptanz, Verständnis und Mitgefühl..

Wann hast du dich das letzte Mal machtlos gefühlt oder hast versucht etwas zu erzwingen? Hast du es geschafft oder steckst du vielleicht immer noch in einer solchen Situation fest?

xoxo

Luisa

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